„Gemeinsam sind wir stärker als allein“ 

15 Jahre lang prägte Propst Jürgen Jessen-Thiesen den Kirchenkreis Nordfriesland

Offen, innovativ, geduldig, wohlwollend, wertschätzend, freundlich, aufrichtig, klug, strukturiert, konstruktiv – langjährige Weggefährtinnen und -gefährten geraten regelrecht ins Schwärmen auf die Frage, welche Eigenschaften sie an Propst Jürgen Jessen-Thiesen besonders schätzen. „Eine seiner Stärken ist das große Interesse an einem offenen Meinungsaustausch. Stichhaltige Argumente lässt er dann auch in seine Entscheidungen einfließen. Das führt zu guten Ergebnissen und zu einem wertschätzenden Umgang“, beschreibt Heike Büge, seit fünf Jahren seine Assistentin und enge Mitarbeiterin. Trotz seines vollen Terminkalenders habe er immer ein offenes Ohr für Sorgen und Themen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vermittle ihnen das Gefühl, alle Zeit der Welt für sie zu haben. 

Nach 15 Jahren Dienstzeit verabschiedet sich der Kirchenkreis Nordfriesland am 28. April in tiefer Dankbarkeit von Propst Jürgen Jessen-Thiesen. In einem feierlichen Gottesdienst in der St. Marien-Kirche in Husum entpflichtet ihn zunächst Bischöfin Nora Steen, anschließend findet ein großer Empfang in der Hermann-Tast-Schule statt. Die Anzahl der Gäste ist groß. Denn Propst Jürgen Jessen-Thiesen war die treibende Kraft hinter zahlreichen Projekten, die den Kirchenkreis im hohen Norden geprägt haben. Unter anderem etablierte er das Evangelische Regionalzentrum Westküste, unter dessen Dach sich die Kinder- und Jugendarbeit, die Frauenarbeit, die ökumenische und diakonische Bildungsarbeit, die Arbeitsstelle „Integration von Geflüchteten“, die Urlauberseelsorge, die Öffentlichkeitsarbeit, das Fördermittelmanagement und das Fundraising versammeln. Er gründete das Friedhofswerk, das viele Gemeinden entlastet hat und in enger Kooperation mit den Kommunen die Friedhöfe auf zukunftsfähige Beine stellt. Und er engagierte sich in besonderem Maße für die Sanierung der denkmalgeschützten Kirchen auf Eiderstedt. 

„Unsere Kirchen sind regionale Kulturschätze. In ihnen finden nicht nur Gottesdienste und Konzerte statt, sondern sie bieten auch unserem sozialen und kulturellen Leben Raum. Hier geht es um das Menschliche und um das Göttliche, um die Hoffnung und das Vertrauen, um Trauer und Glück. Ohne unsere Kirchen würden nicht nur die Dörfer, sondern auch unser Leben die Mitte verlieren“, erklärt Propst Jürgen Jessen-Thiesen sein Interesse. Professor Dr. Stefan Krüger, Präses der Synode des Kirchenkreises, würdigt seinen Einsatz für den Erhalt der Kirchenlandschaft Eiderstedt ausdrücklich: „Sein Engagement ging weit über das hinaus, was das Amt erfordert hätte. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass diese Schätze auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.“

Wichtig war Propst Jürgen Jessen-Thiesen zudem die Unterstützung der Diakonischen Werke in Husum und Südtondern, der Pflegediakonie Nordfriesland, der Diakonie auf Eiderstedt und in Riddorf und der Husumer Horizonte. „Diakonie ist Kirche. Sie ist ein Wesensmerkmal und eine Lebensäußerung, ohne die Diakonie wäre die Kirche ein Torso“, erklärt Propst Jürgen Jessen-Thiesen. Wie eng Diakonie und Kirche im Selbstverständnis des Kirchenkreises Nordfriesland mittlerweile zusammengehören, zeigt unter anderem das Projekt „Friedenskirche“ in Husum. Die Friedenskirche ist die erste Kirche in Nordfriesland in der Hand eines Diakonischen Werkes, in ihren Räumen ist Platz für praktische Diakonische Arbeit und Gottesdienste.

„Dieses diakonische Kirchenbild hat uns verbunden und ist mitverantwortlich für die sensationelle Entwicklung der Diakonie in Nordfriesland“, antwortet Volker Schümann, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes in Husum, deshalb sofort auf die Frage nach Propst Jürgen Jessen-Thiesen. Und so wie die Diakonie in die Kirche hinwirke, so wirke die Kirche auch in die Diakonie, fährt er fort. Es sei ihnen beiden ein Anliegen gewesen, Diakonische Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die eher wenig Berührungspunkte mit der Kirche hätten, in der Kirche ein Zuhause anzubieten. „Wir hatten eine großartige, vertrauensvolle und strukturierte Zusammenarbeit, aus der viel Gutes hervorgegangen ist – und für die ich dankbar bin“, fasst es Volker Schümann zusammen. 

Wie weit das Engagement des Propstes ausgestrahlt hat, zeigen auch die sehr persönlichen Abschiedsworte der amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden und Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, die ihn schon lange auf seinem Weg begleitet: „15 Jahre hat Jürgen Jessen-Thiesen sein Propstamt klug und kompetent ausgefüllt und ist zweifelsohne ein Glück für unsere Nordkirche.“ Seine freundliche, aufrichtige und empathische Art mache jede Zusammenarbeit leicht und konstruktiv, seine Strukturiertheit in der Sache fördere zielgerichtetes und lösungsorientiertes Arbeiten, so die Bischöfin. „Zupackend und weitsichtig hat er schon in den Kirchenkreisen Dithmarschen und Rendsburg sowie in der ehemaligen Nordelbischen Kirche Reformen vorangebracht, die in schwierigen Zeiten stabilisiert haben. Im Kirchenkreis Nordfriesland hat er sich überdies für eine diakonische Kirche sehr engagiert. Dabei hat er sein Leitungsamt immer zur Förderung und Stärkung seiner Mitarbeitenden genutzt. Ich möchte mich für viele Jahre wunderbarer Weggemeinschaft bedanken und wünsche ihm von Herzen alles Gute und viel Segen für sein neues Lebenskapitel.“

Fragt man Propst Jürgen Jessen-Thiesen selbst nach der Bilanz seiner Arbeit, formuliert er es so: „Ich durfte mit Menschen zusammenarbeiten, die sich mit aller Kraft für andere Menschen und damit für unsere Gesellschaft einsetzen, das habe ich immer als sehr erfüllend und Sinn stiftend empfunden.“ Der Grundsatz seiner Amtszeit, seines Führungsstils und damit seiner gesamten Arbeit lautete: „gemeinsam sind wir stärker als allein“. Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, seine Projekte in enger Absprache und mit Unterstützung vieler Kolleginnen und Kollegen umzusetzen. 

Die zukünftigen Herausforderungen für den Kirchenkreis Nordfriesland liegen für Propst Jürgen Jessen-Thiesen auf der Hand: „Weiter an der Seite der Menschen stehen, Mut und Segen zusprechen und zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen. Sich gemeinsam für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen und unsere Demokratie vor dem Rechtspopulismus schützen sind die großen Themen, auf die wir in den kommenden Jahrzehnten auch in unserer Arbeit in Nordfriesland kluge Antworten finden müssen.“ Das Auswahlverfahren für seine Nachfolge ist bereits angelaufen, ab Mai wird die stellvertretende Pröpstin Inke Thomsen-Krüger aus Oldenswort seine Vakanz-Vertretung übernehmen. 

Begegnung der Kulturen in Niebüll

Jugendaustausch mit Tansania im evangelischen Kinder- und Jugendbüro vom 28.03.bis 14.04.2024

„Was brauche ich, um glücklich zu sein?“ Dieser Frage spürten in der Osterzeit acht Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Süden Tansanias gemeinsam mit Jugendlichen aus Nordfriesland nach. Knapp drei Wochen waren sie Gäste des internationalen Jugendaustausches des evangelischen Kinder- und Jugendbüros im Kirchenkreises Nordfriesland. Damit blieb ihnen nicht nur Zeit, sich mögliche Antworten auf diese Frage zu überlegen, sondern auch Land und Leute im hohen Norden kennenzulernen. 

Auf die Besucherinnen und Besucher aus einer tansanischen Partnergemeinde wartete ein umfangreiches Programm. Sie erlebten Osterbräuche in nordfriesischen Gastfamilien, wanderten durch Landschaften und kleinen Orte der Westküste und besichtigten Hamburg. „Bei allen diesen Begegnungen war und ist uns immer wichtig, dass wir Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrnehmen, ohne zu bewerten“, erklärt Susanne Kunsmann, Leiterin des evangelischen Kinder- und Jugendbüros.

Und das Staunen ist groß, wenn die afrikanischen Gäste in warme Jacken gehüllt das erste Mal Ostereier am Deich suchen oder zusammen mit ihren neuen nordfriesischen Freunden am Osterfeuer stehen. „Genau dieses Staunen mit- und übereinander macht den Weg frei für Fragen und ist damit ein großer Schritt in Richtung Kennenlernen“, weiß Susanne Kunsmann. Sie hatte den Austausch nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Tansania 2009 ins Leben gerufen. Seitdem treffen sich dank ihrer Organisation Jugendgruppen aus Ostafrika und Nordfriesland regelmäßig. Innerhalb von drei Jahren finden Besuch und Gegenbesuch statt, im dritten Jahr werden die nächsten Gruppen organisiert.  

Mittlerweile hat sich der internationale Austausch zu einer festen Institution an der Westküste etabliert. Bewerben können sich Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren beim evangelischen Kinder- und Jugendbüro in Niebüll, das Interesse ist seit Jahren groß. „Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von diesem Kennenlernen profitieren. Es öffnet sie für neue Kulturen und führt ihnen vor Augen, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, in unserer Welt zu leben“, so Susanne Kunsmann weiter. Unterstützt wird der Austausch von den Teilnehmenden selbst und durch Spenden und Fördergelder. Der nächste Austausch startet voraussichtlich 2026. 

Foto: Leon Hansen und Wilson Mwakandawile lernen sich auf dem Austausch mehr und mehr kennen. Foto von Susanne Kunsmann

Neue Synode wählt ihr Präsidium

Professor Dr. Stefan Krüger ist neuer Präses der Kirchenkreissynode Nordfriesland. Er und seine beiden Stellvertreterinnen, Pastorin Dr. Christine Weide und Heinke Mahrt, wurden einstimmig von den 69 Delegierten der neuen Synode des Kirchenkreises gewählt. „Ein solches Ergebnis ist alles andere als selbstverständlich in diesen Zeiten und gibt uns Rückenwind für den Start in eine neue Legislaturperiode“, freut sich Dr. Stefan Krüger, Professor für Tiergesundheit an der Fachhochschule in Kiel.

In seiner Rede zu seiner Kandidatur gab er den Delegierten einen Ausblick, wie er die Synode zukünftig gestalten würde: „Ich möchte eine Kultur der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts fördern, in der jede Stimme und jede Meinung gehört wird und konstruktiv diskutiert werden kann“. Es gelte, auf die komplexen Fragen unserer Zeit überzeugende Antworten zu finden und nicht sprachlos zu sein. Professor Dr. Stefan Krüger wirkte schon in der vergangenen Legislatur als stellvertretender Leiter des Kirchenrates in der Synode. Seine neu gewählten Stellvertreterinnen waren ebenfalls schon vorher aktiv, Heinke Mahrt als ehrenamtliches Mitglied des Kirchenkreisrates und als Vertreterin des Kirchenkreises in der Landessynode der Nordkirche.

Die Wahlen des Präsidiums, des Kirchenkreisrates und der synodalen Ausschüsse standen im Mittelpunkt der konstituierenden Sitzung der 3. Synode des Kirchenkreises Nordfriesland am vergangenen Wochenende. Die Gewählten werden gemeinsam mit den Delegierten, mehrheitlich Ehrenamtliche, in den kommenden sechs Jahren die Geschicke des Kirchenkreises lenken, über Haushalts- und Stellenpläne entscheiden und inhaltliche Akzente setzen.

Das neugewählte Präsidium des Kirchenkreises Nordfriesland, v. li. nach re.: Heinke Mahrt (2. Vize-Präses), Prof. Dr. Stefan Krüger (Präses), Pastorin Dr. Christine Weide (1. Vize-Präses)

Prävention gegen Missbrauch

Sexualisierte Gewalt in unserer Kirche geht uns alle an. Das haben die Ergebnisse der Studie des Forschungsverbund „ForuM – Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“, die am 25. Januar präsentiert worden sind, noch einmal unterstrichen. „Das Leid, das Betroffenen in unserer Kirche, in unseren Räumen angetan worden ist, macht mich sprachlos und unendlich traurig. Gemeinsam müssen wir dafür Sorge tragen, dass alle unsere Räume zu Schutzräumen werden und es auch bleiben“, erklärt Pröpstin Annegret Wegner-Braun, verantwortlich für die Verfahren zu sexualisierter Gewalt im Kirchenkreis Nordfriesland.

Schon 2018 hat deshalb die Nordkirche alle kirchlichen Trägerschaften durch das Präventionsgesetz verpflichtet, Risikoanalysen für ihre Einrichtungen durchzuführen und verbindliche Schutzkonzepte zu erstellen. Der Kirchenkreis Nordfriesland begleitet und unterstützt seine Träger dabei aktiv. „Sexualisierter Gewalt treten wir in unseren Einrichtungen und Trägerschaften energisch entgegen. Es existieren bei uns klare Verantwortlichkeiten und für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine explizite Meldepflicht“, so Pröpstin Annegret Wegner-Braun weiter.

Im Kirchenkreis gibt es dazu auch einen Handlungsplan, in dem präzise abgebildet ist, was bei Anhaltspunkten oder einer Kenntnis über sexualisierte Gewalt zu tun ist. „Zunächst ist unsere Meldebeauftragte, Pastorin Katrin Hansen zu informieren, die wiederum den Fall der Verfahrensleitung unseres Kirchenkreises meldet. Innerhalb von 48 Stunden muss dann gemeinsam mit der Leitung der jeweiligen Einrichtung beziehungsweise Gemeinden eine Ersteinschätzung getroffen werden“, berichtet Oliver Nitsch, Präventionsbeauftragter des Kirchenkreises. Von dieser Ersteinschätzung hängen die weiteren Schritte ab.  

Der Kirchenkreis hat zudem Leitlinien für die Risikoanalyse und das Schutzkonzept für seine Einrichtungen und Gemeinden erarbeitet. Wichtige Bausteine sind unter anderem eine präzise Risikoanalyse, die Festschreibung und Kommunikation der Präventionsverantwortung, Sensibilisierung und Fortbildung von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden und die Festlegung zu Führungszeugnissen aller Mitarbeitenden. Oliver Nitsch: „Diese Schritte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir alle aufmerksamer werden müssen. Sexualisierte Gewalt ist eine Kulturfrage in unserer Gesellschaft und damit auch in unserer Kirche. Wir brauchen einen Kulturwandel, um ihr entschlossen entgegen zu treten“. Weitere Informationen und den Handlungsplan finden Sie unter www.kirche-nf.de, die Ergebnisse der ForuM-Studie unter www.forum-studie.de.

Menschen, die sexuelle Übergriffe oder Grenzverletzungen erlebt oder davon erfahren haben, können sich wenden an:

Die Meldebeauftragte des Kirchenkreises Nordfriesland, Pastorin Katrin Hansen, Tel: 0151/74233940, meldebeauftragte@kirche-nf.de.

UNA Unabhängige Ansprechstelle: montags von 9–11 Uhr und mittwochs von 15–17 Uhr unter 0800 – 0220099 (kostenfrei) oder una@wendepunkt-ev.de

Ein Ansgarkreuz für Lilo Lenhard

Wann das eigentlich genau angefangen hat, kann kaum mehr jemand sagen. Lilo Lenhard rechnet nach: 40 Jahre sind es bestimmt, die sie sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagiert. Und wie viel es in Stunden nun wirklich exakt ist, vermag auch niemand zu ermessen: Sie singt in zwei Chören, engagiert sich im Kirchengemeinderat, übernimmt Küsterdienste, leitet das Wort zur Woche, deckt Tische, kocht Kaffee, kauft ein, hilft bei der Kinderkirche, organisiert das Frauenfrühstück und ist natürlich beim Gemeindefest unverzichtbar. Sie ist einfach da, wo sie gebraucht wird. Und sie tut es nie mürrisch oder auf Anerkennung bedacht, sondern steckt alle mit ihrer Fröhlichkeit, ihrer Zuversicht aus dem Glauben und der Musikalität ihres Herzens an. Dankbar überreichte ihr am vergangenen Sonntag Propst Jürgen Jessen-Thiesen das Ansgarkreuz der Nordkirche als Anerkennung für ihren vielfältigen Dienst.

Mit der Versöhnungskirche fing alles an – das war vor vielen Jahren, als noch niemand an eine Fusion der Husumer Kirchengemeinden dachte. In der Versöhnungskirche fand darum auch der feierliche Gottesdienst statt, den Kreiskantor Kai Krakenberg gemeinsam mit der Stadtkantorei musikalisch begleitete. Die Predigt hielt Pastorin Katja Kretschmar. „Du gehört zur Versöhnungskirche wie das Inventar“, sagte sie lachend. Aber mehr noch: Lilo Lenhard bringt sich nun unter den veränderten Umständen nach der Fusion ebenso in die anderen Kirchen ein, ist mit den anderen PastorInnen der Kirchengemeinde ebenso vertraut und hat erheblich zum Zusammenwachsen der Gemeinden beigetragen. „Du bringst die ganze Kirchengemeinde zum Leuchten“, so Katja Kretschmar.

Gottesdienst zur Einführung von Nora Steen als Bischofin im Sprengel Schleswig und Holstein. Foto: Tim Riediger / Nordkirche

Gruß von Bischöfin Steen an die Kirchengemeinden im Sprengel Schleswig und Holstein

Liebe Geschwister,

als neue Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein grüße ich Sie sehr herzlich aus Schleswig. 

Mein Einführungsgottesdienst am 5. November hat mir viel Rückenwind und Segensstärkung für meine neue Tätigkeit als Bischöfin gegeben. So viele Menschen waren in den Schleswiger Dom gekommen und zeigten mir: Wir alle sind gemeinsam Kirche, so verschieden wir auch sind. 

Deshalb möchte ich Ihnen etwas von der Stärkung, die ich bei meiner Einführung erleben durfte, weitergeben. Der von mir ausgeteilte Segen Gottes – er gilt auch Ihnen! Bleiben Sie behütet und hoffnungsvoll in diesen aufwühlenden Zeiten. Gott lässt uns nicht allein. Sie nicht und mich nicht. 

Gottesdienst zur Einführung von Nora Steen als Bischofin im Sprengel Schleswig und Holstein. Foto: Tim Riediger / Nordkirche

In meiner Predigt stand ein Satz aus Jesu Bergpredigt im Mittelpunkt: 

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“. Mt 6, 33 

Die grausamen Kriege, der leider wieder wachsende Hass gegen Jüdinnen und Juden in unserem Land, die Katastrophen im Zusammenhang mit dem Klima, dieses und mehr besorgt, besetzt und ängstigt viele von uns. 

Hier hinein spricht Jesu Wort. Nicht um unsere Ängste klein zu reden, sondern um uns zu erinnern: Gott ist da, sein Reich ist mitten unter Euch. Verstrickt euch also nicht im Vordergründigen, so mächtig es auch zu sein scheint. Sondern richtet euer Augenmerk auf ihn und schenkt ihm Vertrauen, dass er es gut meint mit euch und der Welt und dass das große Schalom, dieser umfassende Friede, die Gerechtigkeit, die alle Menschen ins Recht setzt, möglich ist und bleibt. 

Gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit wird das noch einmal ganz deutlich. Zum Kind in der Krippe kommen die unterschiedlichsten Menschen. Es schafft zwischen ihnen eine Verbindung, die etwas von dem großen Frieden, dem Schalom, aufleuchten lässt. Nehmen wir dieses Leuchten mit in unsere Häuser und Herzen, um es weiterzugeben an die, die es noch nötiger haben als wir. 

Seien Sie behütet und gesegnet, 

Ihre

Bischöfin Nora Steen

Die Bahnhofsmission Husum hat eine neue Leitung

„Wichtig ist es, allen Gästen der Bahnhofsmission stets mit Achtung und Respekt zu begegnen. Nur so kann die Niedrigschwelligkeit der Einrichtung erhalten bleiben“, sagt Ute Petersen. Seit dem 1. August dieses Jahres ist sie die neue Leiterin der Bahnhofsmission, die sich in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Husum befindet. Ute Petersen ist Sozialarbeiterin und hat, bevor sie zum Diakonischen Werk wechselte, mit älteren Personen gearbeitet, mit Menschen mit Behinderungen und mit Demenzerkrankten. „Die Wohnungslosenhilfe war mir wie auf den Leib geschneidert, die Aufgaben passten sofort. Ich bin in meinem neuen Tätigkeitsfeld gut angekommen.“ 

Die Bahnhofsmission sei eine zuverlässige Anlaufstelle – unter anderem auch für Menschen, die keine feste Bleibe haben. „Hier wird die Grundversorgung abgedeckt: Es gibt die Verpflegung morgens und abends sowie Mittagstisch, Übernachtungsmöglichkeiten und verschiedene Angebote, die die Hygiene sicherstellen.“ Die Bahnhofsmission ist obendrein „Stützpunkt“ und Ausgabestelle für die Verkäuferinnen und Verkäufer des Straßenmagazins „Hempels“. 

Des Weiteren ist ihr die Kontinuität im so genannten „Bahnsteigdienst“ bedeutsam: „Bahnsteigdienst ist das klassische Betätigungsfeld der Bahnhofsmission; es ist gelebte Kirche am Bahnsteig im Sinne von Nächstenliebe und unbürokratischer, menschlicher Hilfe“, sagt sie. Damit sei auch die Nähe zur Kirchengemeinde hergestellt. 

An die Bahnhofsmission ist die Wohnungslosenhilfe angegliedert. Es gibt feste Beratungszeiten von 8:00 bis 12:00 Uhr außer am Wochenende und donnerstags. „Der Donnerstag ist der Beratung in der Fläche vorbehalten.“ An diesem Tag besucht sie im Rahmen der „Rollenden Hilfen“ die Menschen in den Unterkünften der Ämter Mittleres Nordfriesland, Nordsee-Treene und Eiderstedt und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite: „Es geht darum, in Zusammenarbeit mit anderen Stellen die Menschen in Wohnraum oder an andere Unterstützungseinrichtungen zu vermitteln. Ein großes Problem ist dabei die momentane Wohnungsknappheit.“ Doch oftmals könne bei rechtzeitiger Beratung Wohnungslosigkeit vermieden werden oder aber, sofern eine Wohnung gefunden worden sei, Sicherheit durch Unterstützen, Beraten und Schlichten gegeben werden zur Erhaltung des neuen Wohnverhältnisses. 

„Der Bahnsteigdienst ist eine zentrale Aufgabe der Bahnhofsmission“: Ute Petersen am Fernbahnsteig 5.

Ute Petersen definiert ihre neue Wirkungsstätte als „Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe brauchen“ und möchte stets allen auf Augenhöhe begegnen und sie, gleichgültig, ob es dabei ihr 16-köpfiges Team oder Gäste betrifft – miteinbeziehen und mitentscheiden lassen. Präsenz zeigen, kommunikativ sein, Hand in Hand und gut vernetzt mit anderen Beratungsstellen des Sozialraums arbeiten, respektive mit den Angeboten des Diakonischen Werks Husum, wie Tafel, Sozialberatung oder „Möbel & mehr“ – das sind ihre zentralen Anliegen. Dazu gehört auch, Menschen ohne Wohnung immer wieder zu motivieren und Mut zuzusprechen: „Ich möchte aufzeigen, dass es sich lohnt, trotz Schwierigkeiten weiterzumachen oder neu anzufangen.“ Es gebe Situationen, denen man in einer ohnehin schon geschwächten Position sprachlos, vielleicht auch mit ungenügend innerer Kraft gegenüberstehe: „Für diese Menschen trete ich ein.“

Prof. Dr. Carsten Thoroe aus Breklum wurde das Ansgarkreuz verliehen

Carsten Thoroe ist in Breklum vielfach engagiert: im Kunst- und Kulturverein, im Kirchbauverein. Zusätzlich war er Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Nordfriesland. Aufgrund dieses Engagements wurde Prof. Dr. Carsten Thoroe am 31. Oktober, dem Reformationstag, während des Gottesdienstes in der Breklumer Kirchengemeinde das Ansgarkreuz verliehen. Dabei handelt es sich um die höchste ehrenamtliche Auszeichnung der Nordkirche.

Professor Dr. Carsten Thoroe ist ein „Macher“. Wenn er sich etwas vorgenommen hat, zieht er es durch. „Als wir im August 2009 nach Breklum gezogen sind, hatten wir im September alles so weit fertig, Bilder, Lampen, alles hing. Im Oktober habe ich den Garten angelegt, Anfang November den Rasen eingesät. Als dann alles fertig war, hat meine Frau gesagt, du musst wieder etwas zu tun haben, kümmere dich darum“, erzählt Thoroe amüsiert, und lässt die Frage offen, ob er ihr damals etwas auf die Nerven gegangen ist. Gesagt, getan, also ging der frischgebackene Pensionär auf eine Ehrenamtsmesse in Breklum und übernahm den Vorsitz der Alzheimer-Gesellschaft Nordfriesland. „Dann habe ich mich erst einmal in das Thema Alzheimer eingearbeitet, und hatte wieder etwas zu tun“, freut sich der heute 79-Jährige. Inzwischen hat er den Vorsitz an Dr. Ludolf Matthiesen abgegeben.

Dabei sollte es nicht bleiben: Carsten Thoroe gründete außerdem den Kunst- und Kulturverein Breklum und übernahm 2013 den Vorsitz des Kirchbauvereins Breklum. Dort hat der umtriebige Professor mittlerweile alle Punkte einer schon vor vielen Jahren aufgestellten To-do-Liste abgearbeitet. Pröpstin Wegner-Braun erinnert sich in ihrer Dankesrede an ein Gespräch mit Thoroe, in dem er sich zufrieden zurücklehnte mit den Worten „Wir sind fertig“. „Und damit meinte er alles das, was ein Kirchbauverein für das Bauwerk und die Kulturgüter einer Kirche tun kann, ist getan. Das ist mehr als bemerkenswert.“ so die Pröpstin weiter. 

Unermüdlich setzte er sich für die Finanzierung riesiger Projekte ein, die er durch das Akquirieren von Zuschüssen über den Bundestag verwirklichen konnte.

Die Kirche und die Orgel konnten zügig restauriert werden. Die Orgel von Marcussen und Sohn von 1857 wurde nicht nur restauriert, sondern konnte durch einen Rückbau ihre ursprüngliche Klangqualität zurückgewinnen. 

(v. li. ): Tony Theuerkorn (KGR), Dirk Nielsen (KGR), Pröpstin Wegner-Braun, Prof. Dr. Carsten Thoroe, Pastor Simon Frömming, Irmgard Tiedemann (KGR)

Mit der Verleihung des Ansgarkreuzes bedankt sich Wegner-Braun im Namen der Landeskirche für seinen langjährigen, verlässlichen und engagierten Einsatz für diese Kirchengemeinde, für ihre Menschen und ihre Kirche. „Von Menschen wie Ihnen lebt unsere Kirche, für die ihre Glaubensüberzeugung in die konkrete Tat mündet, für die diese Kirche, das Gebäude ebenso wie die Organisation, eine Herzenssache ist, an der sie mit Bedacht feinsinnig und fachkundig mitbauen.“ 

„Ich freue mich schon sehr über diese Wertschätzung“, sagt Thoroe und fügt hinzu: „Diese Kirche hier in Breklum lebt wirklich. Wenn es Veranstaltungen gibt, zum Beispiel Konzerte, sind diese immer sehr gut besucht. Deshalb macht es mir so viel Freude, mich hier einzubringen.“

Vom Professor in Göttingen und Hamburg in den Ruhestand nach Breklum

Engagiert hat sich Carsten Thoroe auch jahrelang für seinen Beruf. Er war Professor für Volkswirtschaftslehre und Agrarpolitik an der Universität Göttingen, leitete als Professor und Direktor das Institut für Ökonomie der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwissenschaften in Hamburg. Außerdem war er Gründungspräsident des Thünen-Instituts, der Bundesforschungsanstalt für Ländliche Räume, Wald und Fischerei in Braunschweig.Nach der beruflichen Karriere ist Thoroe zusammen mit seiner Frau Erika, die er nach dem Abitur während einer Banklehre in der Berufsschule kennen und lieben gelernt und 1967 geheiratet hat, zu den gemeinsamen nordfriesischen Wurzeln zurückgekehrt.

Wiedereröffnung der St. Christian Kirche in Garding mit angeschlossenem Erntedank-Gottesdienst

Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntag, den 01. Oktober die St. Christian Kirche in Garding nach 20 Monaten Sanierungsarbeiten wiedereröffnet worden. St. Christian – eine der ältesten Eiderstedter Kirchen (1109 errichtet) – ist damit die zweite von insgesamt 16 Kirchen, die im Rahmen der „Sanierung der Eidelstedter Kirchen“ wiedereröffnet werden konnte.

„Das Ringen um die finanziellen Mittel war zäh.“ so Propst Jessen-Thiesen. 2016 genehmigte jedoch der Kulturausschuss des Bundestags 9,5 Millionen Euro für das Projekt „Sanierung der Eidelstedter Kirchen“. Damit übernimmt der Bund die Hälfte der geplanten Kosten. Weitere 500.000 Euro trägt das Land Schleswig-Holstein. Die Eiderstedter Kirchengemeinden und der Kirchenkreis Nordfriesland zahlen rund 4,5 Millionen Euro. Einen weiteren Teil steuert die Nordkirche bei, eine weitere Million Euro soll aus Spenden kommen.

Dennoch ist es eine Mammutaufgabe, das wurde auch bei diesem feierlichen Anlass deutlich. Jürgen Jessen-Thiesen, Propst des Kirchenkreises Nordfriesland, ist seit mehr als sechs Jahren im Gespräch mit Architekten, Planern, dem Gebäudemanagement Schleswig-Holstein und Denkmalschützern, mit Geldgebern, Stiftern, Politikern aus Bund und Land. Es sei für viele schwer nachzuvollziehen, warum dieses Projekt so lange dauere.

„Mit dem Start der Bauarbeiten traten einige unangenehme Überraschungen zu Tage. Lose Schieferplatten, verrostete Metallträger, zerbröselte Mauerfugen – die Liste der Schäden an den Kirchen auf der Nordseehalbinsel Eiderstedt ist lang. „, sagt Anne Sax, Architektin des Kirchenkreises Nordfriesland eigens für das Eiderstedt-Projekt angestellt. „Alle unsere Kirchen haben im Grunde drei Probleme: Mauerwerk, Dach und Gründung. In den Böden auf den Warften gibt es viel Bewegung, die zu Rissbildung in Mauerwerk und Gewölbe führt.“ so die Projektmanagerin weiter.

Dennoch war die Freude an diesem Tag groß. „Man sagt und beklagt, dass unsere Gesellschaft auseinanderbricht. Wahr daran ist, dass die Menschen immer stärker in Ihrer Bubble leben und sich dadurch abgrenzen. Aber wo kommen wir wieder zusammen?“ so Jessen-Thiesen in seiner Predigt. „Wir brauchen Orte, an denen wir nicht nur das Einzelne suchen, sondern auch das Gemeinsame. Diese Baumaßnahme unterstützt einen Ort, an dem wir wieder zusammen kommen können. Einen Ort der Begegnung.“ 

Viele Gemeindemitglieder und Gäste waren gekommen, um die Wiedereröffnung gemeinsam mit Pastor Ralf-Thomas Knippenberg zu feiern. Der Kirchenchor und Organistin Frau Elisabeth Weisenberger schufen den musikalischen Rahmen.

Pastor Knippenberg, Propst Jessen-Thiesen und Architektin Sax nutzten die Gelegenheit zum Dank für den unermüdlichen Einsatz und das Engagement aller Beteiligten. Ebenfalls wurde ein besonderer Dank an die Küsterin Karin Hartwig ausgesprochen, die ihr Amt in Welt und Vollerwiek fortsetzt. Um einen Nachfolger hatte sich die Gemeinde bereits bemüht.

Auch die Arbeiten an den weiteren Kirchen gehe mit großem Fortschritt voran. Noch in diesem Jahr sollen die poppenbüller St. Johannis Kirche, die oldensworter St. Pankrazius Kirche und die tönninger Laurentius-Kirche feierlich eröffnet werden.

Adonia-Musical HIOB in Husum

39 Projektchöre bringen das neue Musical deutschlandweit 156 Mal auf die Bühne.

70 junge Menschen aus Norddeutschland, vereint als Adonia-Projektchor und Band, sind am Freitag. 20.10.2023 um 19.30 in der Messe Husum & Congress zu erleben. Veranstalter sind die Küstenkirche Husum, die  Ev.- Luth. Kirchengemeinde Schobüll,  die  Ev.- Luth. Kirchengemeinde  Breklum,  die  Ev.- Freikirchliche Gemeinde Husum (Baptisten ), die Freie Christengemeinde Husum und die Jugendorganisation Adonia e.V.

Die Story

Obdachlos, krank, von der Frau verlassen – so sitzt er an der Bushaltestelle. Wie konnte das passieren? Und vor allem warum? Bis gerade war er noch der clevere und reich gesegnete Hotel-Besitzer mit einer blühenden Zukunft vor Augen. Keiner der Erklärungsversuche hilft und Hiobs Vertrauen auf Gott wird auf eine harte Probe gestellt. Warum greift Gott nicht ein? Wo ist er? Lange Zeit schaut Gott vermeintlich unbeteiligt zu, doch dann verändert eine Begegnung alles.

Warum lässt Gott das zu? Das mitreißende Musical zur Frage aller Fragen. Erschreckend ermutigend!

Die Künstler

Theater und Tanz, eine coole Projektband und ein großer Chor – das ist Adonia. Die 70 Mitwirkenden haben sich für ein sogenanntes Musicalcamp angemeldet und vor zwei Monaten Album und Noten des Musicals erhalten, um die Lieder bereits zuhause zu üben. In einem intensiven Probecamp wird das 90-minütige Programm einstudiert. Und das Ergebnis ist erstaunlich: Die Jugendlichen sind nicht nur hoch motiviert und begabt, ihre Auftritte begeistern auch durch eine hohe Professionalität.

Adonia e.V.

Seit 2001 steht Adonia für ganz besondere Musicalerlebnisse: Inzwischen sind 60 regionale Adonia-Projektchöre mit 4.000 Kindern und Jugendlichen unter der Leitung von 1.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern, Betreuern und Musikern unterwegs.

Der Eintritt ist frei, freiwillige Spende zur Kostendeckung.Adonia e.V., Windelbachstr. 9, 76228 Karlsruhe, 0721 5600 991 0, info@adonia.de, www.adonia.de