Hinsehen, wo andere wegsehen

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Hinsehen, wo andere wegsehen

Husum – Christa Graunke ist „Mensch des Jahres 2017“. Leserinnen und Leser der Husumer Nachrichten wählten die 73-Jährige, die seit 25 Jahren ehrenamtlich in der Suppenküche des Diakonischen Werks (DW) Dienst tut, für diese besondere Auszeichnung. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (shz) rief diese Aktion 2002 ins Leben, um das Ehrenamt in der Gesellschaft zu würdigen.

Lobende Worte von Kreispräsident Heinz Maurus
Kreispräsident Heinz Maurus fand wertschätzende Worte für alle vier Kandidaten: Daniela Dorn (39) setzt sich in besonderer Weise für den Tierschutz ein. „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln“, zitierte er den indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi. „Tiere sind Geschöpfe Gottes wie wir“, sagte Maurus, „sie haben Gefühle, Bedürfnisse und Würde.“ Nominiert war auch der 17jährige Gunnar Jensen, der sich in vielfältiger Weise in die Kommunal- und Schulpolitik einbringt. „Wir brauchen Sie“, sagte Maurus, das jugendliche Engagement in Norstedt sei vorbildlich und zeichne die Gemeinde vor anderen aus. Mit einer ganz spontanen Initiative kam Kathrin Lutz zu Ehren. Die 31jährige Eiderstedterin organisiert via Facebook einen Fahrdienst, der täglich eine ältere Dame zu ihrem Ehemann ins Pflegeheim fährt. „Sie geben ein Gegenbeispiel gegen die zunehmende Entsolidarisierung“, lobte Maurus.

Arme sind nicht sozialschwach, sie sind ökonomisch schwach
Nachdenkliche Töne schlug der Kreispräsident bei der Würdigung von Christa Graunke an. „Wo andere wegsehen, sehen Sie hin“, sagte er. In der Suppenküche der Bahnhofsmission gibt es jeden Tag für wenig Geld eine warme Mahlzeit. Waren es früher überwiegend Obdachlose, die dieses Angebot nutzten, sind es jetzt zunehmend auch Rentner, die alleine kaum mehr auskömmlich leben können. „Sozialschwach, das sagte man früher“, so Maurus, „das ist aber Unsinn.“ Arme Menschen seien nicht sozial schwach, sie seien ökonomisch schwach. Sozial schwach seien eher die, die viel hätten, aber nichts gäben. Christa Graunke habe trotz ihrer vier Kinder und mehrere Pflegekinder sowie der Betreuung einer behinderten Nachbarin immer Zeit fürs Ehrenamt gefunden. „Das ist gelebte Nächstenliebe, wie sie im Buche steht, das heißt in diesem Fall im Buch der Bücher, der Bibel.“

Viele Gäste begleiteten die Würdigung Der Fortunasaal des Husumer Schlosses war gut gefüllt: Die gesamte Husumer Redaktion hatte sich für die Ehrung Zeit genommen, Bürgervorsteher Peter Empen, Propst Jürgen Jessen-Thiesen, Volker Schümann, Geschäftsführer des DW und Mitarbeitende der Bahnhofsmission waren der Einladung des shz gefolgt. „Für uns sind Sie alle Gewinner“, sagte Redaktionsleitung Friederike Reußner mit Blick auf die vier Kandidaten, „für mich und meine Kollegen ist dieser Tag eine Gelegenheit, Ihnen Dank zu sagen für Ihr Engagement.“

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