Beschwerden als Weg der Partizipation

Home / Allgemein / Beschwerden als Weg der Partizipation
Beschwerden als Weg der Partizipation

Nordfriesland – „Heul doch!“, das wird auf vielen Schulhöfen abschätzig denen zugeworfen, die in Selbstmitleid zerfließen, aber mit der Veränderung der Umstände nicht richtig in die Füße kommen. Das Evangelische Kinder-und Jugendbüro Nordfriesland (EKJB), das Kinderschutzzentrum und das Jugendzentrum BISS drehen diesen Satz nun um: „Heul doch! – Gerne bei uns.“, heißt es hier. Unter diesem Motto wollen sie Kinder ermutigen, ihre Meinung zu sagen, Beschwerden vorzubringen und so aktiv an der Veränderung misslicher Umstände mitzuwirken.

UN-Kinderrechte stehen im Hintergrund
„Es geht um die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention“, erklärt Susanne Kunsmann vom EKJB. Mit einem professionellen Anregungs- und Beschwerdemanagement wollen die drei Kooperationspartner dazu beitragen, dass Kinder ihre Rechte bewusst wahrnehmen. Unter der Email-Adresse heul-doch-gerne-bei-uns@ev-kinderundjugend-nf.de können Kinder und Jugendliche ihre Beschwerde loswerden. Dabei ist es zunächst egal, ob die Spaghetti auf der Freizeit glitschig waren oder ob es um wirklich wichtige oder bedrohliche Erfahrungen geht. Jeder Beschwerde wird nachgegangen, verspricht Susanne Kunsmann.

Beschwerden verlässlich ernst nehmen
Der Plan sieht vor, dass die Emails nicht nur von ihr, sondern auch von Lars Wulff, dem Leiter des BISS gelesen werden. Es gilt das Vier-Augen-Prinzip, damit nichts verloren gehen kann. „Uns ist wichtig, dass wir jedes Anliegen ernst nehmen“, erklärt Lars Wulff. Das hieße bei den Spaghetti, dass mal nachgefragt wird, warum das so war und ob man es beim nächsten Mal besser hinkriegen könnte. Das heißt aber auch, dass sich das Team, wenn Kindeswohlgefährdung oder Übergriffe gemeldet werden, darum kümmert – verlässlich und vertraulich. Aus diesem Grund ist auch Sita Hart, Präventionsfachkraft im Diakonischen Werk Husum, mit im Boot. Sie hat den guten Draht zum Kinderschutz-Zentrum, und sie will die Idee des Beschwerde-Managements voranbringen, um Kinder so stark zu machen, dass sie sich wehren können.

Material des Beschwerdemanagement steht zur Verfügung

Teil des Plans ist der „Beschwerde-Beutel“, den das Team jetzt herausbringt. Er enthält einen Spielplan, der ein bisschen an „Mensch-ärgere-dich-nicht“ erinnert, aber ganz anders funktioniert: Weiter kommt, wer eine Frage so beantwortet, dass das Team zufrieden ist. Wenn zwei auf einem Feld ankommen, fliegt nicht der erste raus, sondern beide gehen gemeinsam einen Schritt weiter. Im Beutel gibt es außerdem den „Jammerlappen“ – ein Waschlappen mit Augen, der als Handpuppe verwendet werden kann und „Rotzlappen“ – eine Packung Taschentücher mit dem Motiv der Kampagne. Dazu kommt umfangreiches Material für die Teamer und Verantwortliche in der Kinder- und Jugendarbeit bei Sportvereinen, Feuerwehren, in der Schule oder in der Kirche. Der Beschwerde-Beutel kann unter info@ev-kinderundjugend-nf.de bestellt werden.

Beschwerde-Management ist eine Erweiterung des Kinderschutz-Gedankens
„Es geht um eine Erweiterung des Kinderschutz-Gedankens“, sagt Susanne Kunsmann. Das Beschwerde-Management will Kinder und Jugendliche zur Partizipation – zur Teilhabe und zur Mitwirkung – ermutigen und ihnen so helfen, die Zukunft zu gestalten.

Translate »