Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

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Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.

Husum – Mehr als 80 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Hunger, Krieg, Verfolgung und lähmender Aussichtslosigkeit. Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag, ein Tag des Gedenkens an die vielen Opfer, ein Tag auch der Sensibilisierung für die hinter den Zahlen stehenden Schicksale. Die Kirchengemeinde Husum erinnert an diesem Tag besonders an die Flüchtlinge im Mittelmeer.

Gottesdienst und Veranstaltung am Binnenhafen

Im Gottesdienst, der am 20. Juni um 11 Uhr in der Marienkirche Husum beginnt, wird unter anderem Stefan Schmidt aus Lübeck sprechen. Er ist Flüchtlingsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein und wurde als Kapitän der Cap Anamour vor Gericht gestellt, weil er 37 Menschen aus Seenot gerettet hatte. Ebenfalls zu Gast ist Kai Anders aus Itzehoe, der auf der Seawatch3 im Mittelmeereinsatz war. Anschließend findet am Binnenhafen bei der Slipanlage eine öffentliche Veranstaltung mit Musik, Literatur und Interviews statt. Es sind unter anderem Husums Bürgermeister Uwe Schmitz und Pröpstin Annegret Wegner-Braun als Talkgäste geladen.

Wir schicken ein Schiff.

„Seit 2014 sind 20000 Männer, Frauen und Kinder bei dem Versuch, nach Europa zu gelungen, ertrunken“, so Karsten Wolff, Ökumene-Beauftragter des Kirchenkreises Nordfriesland, der die Veranstaltungen gemeinsam mit Friedemann Magaard, dem Pastor der Kirchengemeinde, und Adelheit Marcinczyk von der Fachstelle für Migration im Diakonischen Werk Husum organisiert.  Bis 2016 habe es noch eine staatliche Seenotrettung im Mittelmeer gegeben, die sei aber dann ersatzlos gestrichen worden. Hinzu komme die Kriminalisierung von Rettern und die Weigerung von Mittelmeerhäfen, Flüchtlingsschiffe anlanden zu lassen. Das kirchliche Bündnis United4Rescue schickte im Sommer 2020 die Seawatch4 in das Krisengebiet, mehr als 350 Menschen konnten gerettet werden, bevor italienische Behörden das Schiff am 20. September vergangenen Jahres aus fadenscheinigen Gründen festsetzten.

„Das Ertrinken im Mittelmeer hat keine Rechtsgrundlage“, betont Friedemann Magaard. „Es geht um Sensibilisierung und Mitgefühl. Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Info: Die Veranstaltungen finden weiterhin unter Corona-Bedingungen statt, die Kirchengemeinde bittet um Anmeldung unter info@kirche-husum.de oder 04841/779280, die Plätze im Gotteshaus sind begrenzt.