Nächstenliebe geht durch den Magen

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Nächstenliebe geht durch den Magen

„Ik geev een ut – lang man bi” – so heißt eine Aktion des Kirchenkreises Nordfriesland. Die Idee ist einfach: Egal ob es ein Brötchen, ein Stück Kuchen oder ein Kaffee ist – nimm einen, zahle zwei, und das zweite geht als Gutschein-Bon an die Magnet-Pinnwand. Geben darf natürlich jeder, nehmen aber auch. Egal, ob grad kein Kleingeld zur Hand ist,  oder ob am Ende des Monats das Geld einfach nicht reicht: Es geht um Großzügigkeit, um Freundlichkeit und ganz schlicht um Nächstenliebe.

In Nordfriesland beteiligen sich drei Bäckereien an der Aktion: Bäckerei Hansen mit ihren Filialen in Breklum, Hattstedt und Husum, die Bäckerei Kreuzfeld in Husum und die Bäckerei Raffelhüschen in Westerland. Im März – noch vor dem Lockdown – wurde das erste Schild in Hattstedt aufgestellt. Und es läuft gut: Das Brett hängt voller Gutscheinbons. Aber nur selten nimmt sie jemand. „Woran liegt das bloß?“, überlegt Inhaberin Doris Hansen, die das Schild aus den Händen ihres Pastors Jörn Jebsen damals entgegennahm. „Ich vermute, dass die Leute sich nicht trauen oder sich beschämt fühlen, wenn ihnen jemand etwas ausgibt.“ „Geben ist seliger als Nehmen, das steht schon in der Bibel“, so Pastorin Inke Raabe, die das Projekt gemeinsam mit Pastor Joachim Kretschmar angestoßen hat, „Nordfriesen fällt es echt schwer, etwas als geschenkt anzunehmen. Aber das kann man lernen: Lang man bi!“

Die Idee ist nicht neu: Bundesweit gibt es ähnliche Impulse unter dem Motto „Brot am Haken“. Das besondere an der nordfriesischen Idee ist, dass sie sich nicht nur an Bedürftige richtet, sondern ein Zeichen des Miteinanders setzen will. Der Kirchenkreis Nordfriesland initiierte die Aktion im Rahmen des Jahresthemas 2020 „Make Nächstenliebe great again.“ „Nächstenliebe ist immer aktuell“, so Propst Jürgen Jessen-Thiesen, „gerade in diesen Zeiten, gerade im Advent. Geben Sie gerne, aber nehmen Sie auch gerne. Sie machen Ihrem Nächsten auch im Nehmen eine Freude.“