Über die Grenze gehen

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Über die Grenze gehen

Vor 100 Jahren haben die Bürger im Herzogtum Schleswig über den Verlauf der deutsch-dänischen Grenze abgestimmt. Die Ev.-Luth. Kirchen im deutschen und im dänischen Grenzgebiet nehmen dieses Jubiläum zum Anlass, im Jahr 2020 gemeinsam ein umfangreiches Festprogramm auf die Beine zu stellen.

Die Welt endet nicht an Grenzen

Bischof Gothart Magaard erinnert an die lange gemeinsame Zeit; gebe es die beiden Bischofssitze in Ribe und in Schleswig doch schon seit über 1.000 Jahren. Heute sei sie geprägt von einer besonders guten Nachbarschaft. Und Bischöfin Marianne Christiansen aus Hadersleben ergänzt, dass es mehr Verbindendes als Trennendes gebe, alle Geschwister im Glauben seien. „Grenzland ist Miteinander und Reichtum“, sagte sie, und ergänzt später: „Die Welt endet nicht an einer Grenze.“ Ihr Bischofskollege Elof Westergaard aus Ribe hebt das gemeinsame Lernen und die Horizonterweiterung durch das Miteinander im Grenzland hervor.

Die letzten 25 Jahre haben die Kirchen auf deutscher und auf dänischer Seite ihre Freundschaft besonders intensiv gepflegt, berichtet die Flensburger Pröpstin Carmen Rahlf. „Wir haben uns die Zugänge zueinander erarbeitet und können stolz sein auf die Entwicklung. Wir pflegen unsere Kontakte und unsere Beziehungen aktiv, so Pröpstin Rahlf. Einer der Höhepunkte markiert das Jahr 1997, als die deutsche Kirche die Flensburger Heiliggeistkirche vollständig in den Besitz der dänischen Kirche gegeben hat. Dort wurden schon seit 1588 dänischsprachige Gottesdienste gefeiert. Senior Mathias Alpen von der deutschen Minderheitskirche in Dänemark beschreibt den Prozess im Grenzland von einem Gegeneinander über ein Nebeneinander hin zum Miteinander und Füreinander. Zusätzlich zur deutschen und zur dänischen Kirche gibt es heute in Dänemark neun deutsche Kirchengemeinden und in Schleswig-Holstein 30 dänische.

Auf der Grenze zu Tisch

Alle Mehr- und Minderheitskirchen haben anlässlich des Jubiläums ein gemeinsames Komitee gebildet, das das Festprogramm für 2020 ausgearbeitet hat. Darauf stehen Festgottesdienste, Konzerte, Vorträge und Pilgertouren zu Fuß und auf dem Fahrrad genauso wie drei lange Tafeln, die sich zu drei Terminen und an drei Orten jeweils über die Grenze erstrecken und an denen Deutsche und Dänen gemeinsam Essen, reden und feiern. Die Tische werden am 7. Juni am Grenzübergang Rønsdam / Niehuus, am 16. August am Grenzübergang Pebersmark und am 13. September 2020 am Grenzübergang Norddeich-Siltoft, Rickelsbüller Koog, Siltoftvej aufgebaut. Teilnehmen können Gemeindegruppen oder Einzelpersonen; jeder und jede bringt etwas mit und deckt den Tisch nach seiner / ihrer Facon.

Festgottesdienst und viele Veranstaltungen

In Erinnerung an die Abstimmungstage wird am 9. Februar ein deutsch-dänischer Festgottesdienst in Apenrade (Dänemark) und ein weiterer am 15. März in der Flensburger St. Marien-Kirche gefeiert. Erwartet wird dazu unter anderem Prinzessin Benedikte, die Schwester von Königin Margrete II. Außerdem kommen zahlreiche deutsche und dänische Bischöfe, darunter die Bischöfin von Grönland. In der dänischen Stadt Ribe wird vom 21. bis 24. Mai ein „Folkemøde“ veranstaltet, eine Art Volkstreffen mit Diskussionen zu Fragen der Identität und der Nation. Vom 7.-9. August werden dann die drei Bischöf*innen Marianne Christiansen, Gothart Magaard und Elof Westergaard zu einer gemeinsamen Fahrrad-Pilgertour aufbrechen – wer sie (auch in Teilstücken) begleiten möchte, ist herzlich eingeladen.

Das komplette Festprogramm zum deutsch-dänischen Jubiläum ist zu finden unter www.kirche-ueber-grenzen.de und www.kirken-over-grænsen.dk.

Foto: Ein Komitee lässt Kirche über Grenzen gehen: Vlnr: Bischof Gothart Magaard, Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, Bischöfin Marianne Christiansen, Hadersleben, Bischof Elof Westergaard, Ribe, Senior Mathias Alpen, Nordschlewigsche Gemeinde, Pastorin Christa Hansen, dt. Pastorin in Dänemark, Pröpstin Carmen Rahlf, Propstei Flensburg, Propst Hasse Neldenberg-Jörgensen, dän. Kirche in Deutschland . Text: Anja Pfaff, Foto: Tim Riediger