Wenn Hauptberuf und Ehrenamt verschmelzen

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Wenn Hauptberuf und Ehrenamt verschmelzen

Schwesing – Eine Gemeindesekretärin ist mehr als eine Schreibkraft. Niemand weiß das besser als Renate Hasche. 27 Jahre lang war sie die freundliche Stimme am Telefon, die Ruhe im Sturm, Seelsorgerin, Organisatorin, verlässliche Partnerin, Protokollantin und Verwaltungsfachkraft der Kirchengemeinde. Bei ihr liefen die Fäden zusammen, Hauptberuf und Ehrenamt waren oft nicht mehr zu trennen. Sie weiß, was sie geleistet hat. Aber die Gemeinde weiß es auch: Am Ende ihrer Dienstzeit wurde sie mit viel Dank und Segen verabschiedet, und als Auszeichnung für ihr besonderes Engagement verlieh stellvertretende Pröpstin Inke Thomsen-Krüger ihr das Ansgarkreuz der Nordkirche.

Mehr Berufung als Arbeit
„Ich habe das immer als Berufung angesehen und nicht als Arbeit“, erzählt die 61-Jährige im Gespräch. Sie ist gelernte Bürokauffrau, also durchaus fachkompetent, und trotzdem hat sie sich damals, als sie sich vor 27 Jahren auf die Stelle bewarb, nicht vorstellen können, was da auf sie zukommt. „Damals gab es keinen Kopierer und kein Fax-Gerät“, erzählt sie. Vervielfältigungen mussten damals noch mit der Matritze erstellt werden. Zu ihren Aufgaben gehörte die Erstellung des Gemeindebriefes. Dafür müssen Termine, Fotos und Inhalte gesammelt werden, und was heute relativ bequem am Computer geht, war damals noch eine Arbeit mit Klebe und Schere. Am Ende wurden die einzelnen Blätter per Hand zusammengefügt – „da musste dann die ganze Familie ran und die Familie des Pastors auch“ erzählt Renate Hasche und lacht. Sie war bei jedem Gemeindefest dabei und bei jeder Kirchengemeinderatssitzung, sie zählte Kollekten, rechnete Freizeiten ab, verwaltete die Handkasse, stand in engem Kontakt mit der Kirchenkreis-Verwaltung. „Ich hab versucht, dem Pastor den Rücken freizuhalten“, erzählt sie. Das war ein gutes Miteinander mit Jürgen Kaphengst all die Jahre.

Privat und dienstlich ließ sich schlecht trennen
Manchmal war’s auch ein bisschen schwer. Als es einmal in der Gemeinde grummelte, hatte sie das Gefühl, dafür den Kopf hinhalten zu müssen. Nicht jeder verstand, dass auch Gemeindesekretärinnen ein Privatleben haben. „Schriffst du mi gau för de Utfluch op?“ – dieser Zuruf quer über die Straße galt dann als Anmeldung für den Gemeindeausflug, und Renate Hasche musste sich das fix merken können, damit nachher die Listen auch stimmten. Überhaupt war die Verantwortung ziemlich hoch. Und manchmal ging sie trotz Urlaubs schnell rüber in „ihr“ Büro, um die Post schon mal abzuarbeiten. „Man tut sich damit keinen Gefallen, wenn man das über Wochen liegenlässt“, sagt sie nachdenklich. Gesundheitliche Probleme kamen dazu. Sie hat inzwischen sechs Enkelkinder, für die sie viel und gerne da ist. Sie kann auch loslassen. Es ist der richtige Zeitpunkt – auch, wenn es anfangs etwas seltsam sein wird.

Ein Ansgarkreuz als Dank und Anerkennung
Ansgarkreuz-Verleihung und Verabschiedung waren ein großes Erlebnis. „Für Sie, liebe Frau Hasche, ist es wichtig, da zu sein, wenn man gebraucht wird, und sich nicht aufzudrängen“, so Inke Thomsen-Krüger beim Festakt. „Das zu erkennen ist eines Ihrer großen Talente, die der Gemeinde nun sicher auch fehlen werden. Dass Sie Ihre wunderbaren Gaben der Gemeinde zur Verfügung gestellt haben und so segensreich gewirkt haben, dafür ist die Kirchengemeinde Schwesing Ihnen zu großem Dank verpflichtet.“ Viele, sehr viele waren gekommen, es gab Kaffee und Kuchen, und Renate Hasche durfte keinen Handschlag tun. „Aber beim Abräumen haben mein Mann und ich dann doch schnell mit angepackt“, sagt sie. Das Ansgarkreuz nimmt sie stellvertretend für ihre Kolleginnen in den Gemeindebüros. Sie weiß, dass es allen so geht, und dass jede einzelne in ihrem Beruf und in ihrer Liebe zur Gemeinde aufgeht. “Es kommt auch viel zurück”, sagt sie dankbar. Das Fest zu ihren Ehren hat das noch einmal deutlich gemacht. Nichts ist vergeblich, und alle Mühe hat sich gelohnt.
Es wird noch eine Weile dauern, bis sie die Hände in den Schoß zu legen gelernt hat. Aber vielleicht muss sie das auch nicht. Sie wird noch gebraucht und wird ihren Platz finden, in Schwesing oder anderswo.