Wir streamen weiter!

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Wir streamen weiter!

Emmelsbüll-Neugalmsbüll – Die „Bülls“ sind ja irgendwie immer die Kleinsten des Kirchenkreises: Nur gut 1500 Christinnen und Christen leben dort oben ganz im Norden in drei Kirchengemeinden mit vier Gotteshäusern, und Pastor Gerald Rohrmann versorgt sie treu und fröhlich. Sigrid Brandenburg ist Kirchengemeinderätin in Emmelsbüll-Neugalmsbüll. Als das Versammlungsverbot wegen der Corona-Krise im März verkündet wurde, reagiert sie schnell und entschlossen.

Live-Übertragung via Facebook

„Jetzt machst du’s!“, war ihre erste Reaktion. Sie hatte schon etwas länger die Genehmigung, eine Facebook-Seite für die Kirchengemeinde zu erstellen. Und weil es über Facebook so unkompliziert ist, einen Live-Stream hochzuladen, traf sie sich gleich am Tag darauf mit Gerald Rohrmann und dem Kirchenmusiker Jorge Sendler, um das mal zu testen: Smartphone, Stativ und das gute Internet in der St.-Galluskirche machten es möglich, es funktionierte sofort.

Auch ältere Gemeindeglieder finden Wege

Es ist nicht ganz leicht, eine Facebook-Seite in Gang zu kriegen. Als Seiteninhaber kann man nicht offensiv dafür werben, sondern ist darauf angewiesen, Freunde einzuladen, die wiederum Freunde einladen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Live-Gottesdienste sehr schnell Aufruf-Zahlen von teilweise über 1000 hatten. “Man staunt, dass man mit dieser Form mehr erreicht als mit dem normalen Gottesdienst“, sagt Sigrid Brandenburg. Sie freut sich über die vielen Kommentare, die ihr das Gefühl von Gemeinschaft trotz Distanz geben. Der Live-Stream wird auf der Homepage der Kirchengemeinde verlinkt, so dass ihn auch Menschen sehen, die keinen Account haben. Auch ältere Gemeindeglieder freuen sich über das Angebot und finden Mittel und Wege, daran teilzunehmen.

Ein voller Gottesdienst mit allem, was dazu gehört

Die Gottesdienste dauern gerne mal eine volle Stunde. „Wir wollten mit diesem Angebot den Gottesdienst ersetzen, darum feiern wir ihn genauso, wie wir ihn in der Kirchengemeinschaft gefeiert hätten.“ Das bedeutet: volle Liturgie, beide Lesungen, Musik und Gesang und die immer sehr lebendig und anschaulichen Predigten von Gerald Rohrmann.

Nicht in allen vier Kirchen ist das Internet so gut wie in Neugalmsbüll. Für die Dauer der Krise konnte die Kirchengemeinde ein mobiles WLAN einer Ferienwohnungsbesitzerin leihen. Es ist nicht alles perfekt, ein Gottesdienst wurde komplett auf der Seite liegend dargestellt, warum, ist bis heute ein Rätsel. Manchmal ist es mit dem Ton noch schwierig. Aber das macht nichts. Das Format lebt von seiner Authentizität und Unbeschwertheit. Es sind schöne Gottesdienste, trotzdem oder grade deswegen.

Die Stille am Ostermorgen

Besonders schön war, so Sigrid Brandenburg, der Osterfrühgottesdienst. Still war’s, sehr still. Und die Vögel sangen. Das Friedenslicht von Bethlehem, das sie bis zu diesem Zeitpunkt sorgsam gepflegt hatte, entzündete vor der Kirche das Osterfeuer, das weithin leuchtete und von der Auferstehung des Herrn kündete.

Wir streamen weiter

Wie geht es weiter in den „Bülls“? „Wir streamen weiter“, sagt Sigrid Brandenburg. Der Aufwand ist ja überschaubar. Es finden Gottesdienste unter den neuen Bedingungen statt, und das Smartphone schneidet sie einfach mit und sendet sie in die Welt. „Es gibt so viele, die sich darüber freuen und sich vielleicht auch am Nachmittag noch zuschalten.“