Manche Kirchen erzählen ihre Geschichten nicht zuerst mit Worten, sondern mit Bildern. Die Kirche St. Anna in Tetenbüll ist so ein Ort. Die spätgotische Saalkirche liegt auf einer mittelalterlichen Warft; eine Kapelle soll hier schon 1113 bestanden haben, der heutige Backsteinbau entstand wohl um 1400, Turm und Erweiterung folgten 1491. Schon diese lange Baugeschichte macht St. Anna zu einem besonderen Ort in Eiderstedt.
Berühmt ist die Kirche vor allem wegen ihres reichen Bildprogramms. Auf der Nordempore befinden sich 30 Bilder zum Alten Testament aus dem Jahr 1613; 1654 wurden sie mit Stifternamen und Hausmarken versehen. Die Deckengemälde kamen 1742 hinzu und zeigen in 36 Bildern Szenen aus dem Leben Jesu und der Apostelgeschichte. Zusammen ergibt das eine Art Bilderbibel im Kirchenraum, die Besucherinnen und Besucher nicht nur betrachten, sondern regelrecht lesen können.

Dazu kommen weitere Kunstschätze: ein spätgotischer Schnitzaltar, der von Hans Brüggemann beeinflusst ist und 1982 restauriert wurde, eine Taufe aus Sandstein von 1596 und eine Kanzel mit barocker Bemalung von 1575. In St. Anna verdichten sich also mehrere Jahrhunderte nordfriesischer Frömmigkeits- und Kunstgeschichte in einem einzigen Dorfkirchenraum.
Gerade deshalb eignet sich Tetenbüll hervorragend für die Rubrik „Verborgene Schätze“. Von außen wirkt die Kirche zurückhaltend, fast still. Innen aber öffnet sich ein Bildkosmos, der zeigt, wie Gemeinden ihren Glauben über Generationen hinweg sichtbar gemacht haben. Wer die Kirche betritt, entdeckt nicht nur Kunst, sondern auch die Idee dahinter: biblische Geschichten für alle Augen lesbar zu machen.

Praktisch ist zudem, dass die Tetenbüller Seite selbst auf die Kunstschätze hinführt und saisonale Öffnungszeiten nennt. Das macht den Ort auch für Tagesgäste gut zugänglich.