Die Kirche Zum Heiligen Kreuz in Ockholm ist ein nordfriesischer Erinnerungsort. Sie erzählt von Verlust, Wiederaufbau und Hoffnung. Nachdem Vorgängerkirchen in den Sturmfluten von 1362 und 1634 zerstört worden waren, wurde die heutige Kirche nach der verheerenden Flut von 1634 auf einer Warft errichtet. Allein dieser Standort ist schon eine Botschaft: Kirche sucht hier bewusst die Höhe, weil das Land die Erfahrung des Wassers nie vergessen konnte.
Die Ockholmer Überlieferung ist dabei erschütternd konkret. Die Gemeinde berichtet, dass bei der Flut von 1634 zusammen mit 300 bis 400 weiteren Ockholmern auch die ganze Pastorenfamilie ums Leben kam; nur der älteste Sohn überlebte, weil er als Student nicht zu Hause war. Solche Erinnerungen machen deutlich, dass diese Kirche nicht nur auf einer Warft steht, sondern auf einer Geschichte von Trauer und Neuanfang.

Der Wiederaufbau wurde auch politisch unterstützt. Ockholm wurde 1639 bis 1641 mit Hilfe des dänischen Königs Christian IV. wieder eingedeicht. Für den Kirchenbau schenkte der König der Gemeinde Steine aus dem im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Bordelumer Herrenhof „Fruu Mettenhof“. So wurde aus Zerstörung neues Baumaterial und aus Resten ein neuer Ort der Hoffnung.
Auch im Inneren setzt sich diese Geschichte fort. Sehenswert sind der Altaraufsatz aus der Zeit zwischen 1600 und 1620 mit der Kreuzigung im Mittelbild, die alte Turmuhr im freistehenden Glockenstapel und eine Kanzel mit Sanduhr aus dem 17. Jahrhundert, die an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert.

Besonders berührend ist außerdem die marmorne Taufe, die ursprünglich aus der 1634 untergegangenen Kirche in Evensbüll stammt und später nach Ockholm gelangte. In einem einzigen Raum wird so sichtbar, wie Nordfriesland mit dem Verlust seiner Kirchen und Dörfer gelebt hat.